Den Tod vor Augen …Notwendige Nachbesserung auf dem sprachlichen Gebiet



Glossen und Possen


'Mal ganz ehrlich'


Fußballösungen nach bewährtem Rezept 

Als Anhänger eines Fußballvereins muß man lernen, zu leiden. Das gilt besonders -- wie sollte es auch anders sein -- für die Anhänger der Abstiegskandidaten in den jeweiligen Ligen.

Im Norden ist es Werder Bremen, der seinen Freunden große Sorgen bereitet. Doch der hatte sich etwas ausgedacht, das ihn auf die sichere Seite bringen sollte: Neben dem Vorsitzenden der Geschäftsführung und dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, dem Präsidenten und einem weiteren Mitglied der Geschäftsleitung mußten weitere freie Stühle im Vorstand besetzt werden. Dieses Problem wurde mit dem Einsatz eines Chief Digital Officers, mit einem Verantwortlichen für Scouting  und Digital & Content und mit einem Leiter für Performance gelöst.

Mit Sicherheit haben besonders diese englischen Begriffe bei ihren Trägern großes Selbstvertrauen geschaffen – wozu sonst werden solche albernen Ausdrücke übernommen! Ob dadurch aber auch deren Leistungen verbessert wurden, darf zumindest bezweifelt werden, ebenso, ob der Vorstand überhaupt weiß, was diese Bezeichnungen bedeuten. Und: ausschlaggebend ist das Können der Spieler. Dieses hat sich aber – siehe Ergebnis der letzten Spiele – nicht verbessert. Dabei hätte ich eine gute Lösung parat gehabt, aber „mich fragt ja keiner:“ Die Spieler auf den jeweiligen Positionen bekommen einen englischen Namen, wie wir es schon vom Torwart her kennen (goalkeeper) und wir es auch von vielen Reportern schon das eine oder andere Mal zu hören bekommen haben. Dann würden zum Beispiel aus den Stürmern die forwards, aus den Läufern die half-backs und aus den Verteidigern die left und right backs werden. Daß dadurch die deutsche Sprache die Verliererin wäre, selbst wenn "Werder" einmal gewänne, interessierte wohl kaum jemanden, Hauptsache, der Verein "macht Kasse".

Schade, daß es beim Fußball keine Strafbank wie beim Eishockey gibt, sie wäre der passende Platz für den Vorstand und die Berichterstatter, bedauert

Ihr

Anglizismenmuffel

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(Der Verfasser schreibt regelmäßig Glossen für die Deutsche Sprachwelt und das Zevener Sonntagsjournal, die in unregelmäßigen Abständen auch in anderen deutschen Zeitschriften und Zeitungen erscheinen.)